Flusskreuzfahrt und traditionelle chinesische Medizin – Guilin und Yangshuo

24.-29.03.2026

Am Ende der Reise angekommen

Zurück am Airport in Shanghai, gehts weiter für uns nach Guilin. Doch zunächst erstmal ein kleiner Dämpfer, denn San wird beim Security Check rausgezogen und zu unserer Verwunderung gefragt, ob sie eine Power Bank dabei hat. Ja, hat sie. Ich bin gedanklich direkt die Größe bzw. maximale Ladekapazität durchgegangen. Da es eine relativ kleine ist und schon unzählige Security Checks weltweit bestanden hat, konnten wir uns keinen Reim drauf machen.
Wenige Minuten später haben wir dann erfahren, dass der Powerbank ein sogenanntes chinesisches CCC-Sicherheits-Zertifikat, bzw. der Aufkleber dafür, fehlt. Fun-fact: die Power Bank ist Made in China und wird San nun in China abgenommen. Willkommen zuhause, kann man da nur sagen, während San sehr traurig ist.

Als kleiner Trost, hier gibt es an jeder Ecke, und ich meine wirklich an jeder Ecke und jeder Unterkunft, eine Power Bank zu leihen (30 Minuten, 60 Minuten, 24 Std.). Das Praktische: man kann an Ecke A eine ausleihen und einfach an Ecke B, wenn sie nicht mehr benötigt wird, abgeben – ein perfektes Sharing eben.

Sehr einfach, Power Bank Service in China gibt es von verschiedenen Anbietern

Guilin

Guilin ist weniger ein Reiseziel im klassischen Sinne, als vielmehr das Tor zu einer der spektakulärsten Landschaften Chinas. Die Stadt (schnuckelige 5 Mio. Einwohner) liegt eingebettet in markanten Karstberge. Sie wirkt funktional und man merkt, dass die Stadt eher eine Rolle als Ausgangsbasis hat. Von hier aus beginnt für Viele, wie für uns, die Reise entlang des Li-Flusses nach Yangshuo, wo laut Reiseführer die Landschaft ihre volle, ikonische Wirkung entfaltet.

Wir checken im Wing Hotel mitten in Guilin ein und wollen den Nachmittag nutzen, um uns durch die Zhengyang und Yiren Road runter zum See zur Sonne und Mond Pagode treiben zu lassen – und werden erschlagen. Die groß angelegten Restaurants, die sich aneinander reihen haben den charmanten Flair von Kantinen mit Neonlicht. Alles leuchtet bunt und bunter, mit vor der Tür geparkten Mädels, die ein Mikro vor dem Mund und einen Lautsprecher umgehängt haben, mit dem sie lautstark für ihren Laden Werbung machen. Für unsere Ohren und Synapsen ein absoluter Overload. Wir schauen, dass wir schnell noch einen Blick auf die Sonne und Mond Pagode im angrenzenden See erhaschen und verschwinden anschließend in eine der kleinen, nicht touristischen Seitenstraßen und haben eins der bisher besten Abendessen unser Zeit in China. Es war so lecker. Auch wenn wir uns immer noch daran gewöhnen müssen, dass überall, wie auch in manchen Restaurants, geraucht werden darf.

Sonne und Mond Pagode in Guilin auf dem See in der Stadt

Generell ist das Essen in China sehr lecker und günstig. Allerdings sind wir immer wieder überrascht, dass sich das Essensangebot hier überhaupt nicht mit dem deckt, was wir beim Chinesen in Deutschland zu essen bekommen. Gut, China ist groß, vielleicht kommt es einfach aus einer anderen Ecke und soweit allerdings aus keiner, die wir bis jetzt gesehen haben – Peking, Shanghai, Hong Kong und jetzt Gulin.

Leckeres Essen in China

Hottentotten on tour

Am nächsten Morgen stehen wir nach einer weiteren Fahrt mit dem Didi-”Taxi” schon zeitig am Bootsableger, um unsere ca. 4-stündige Li River Flusskreuzfahrt zu starten und um nach Yangshuo zu kommen.

Wie an jeder Metro-Station, am Flughafen oder Bahnhof wird auch hier ein Security-Check gemacht. San musste ja nicht mehr befürchten wegen ihrer Power Bank rausgezogen werden ;-) Allerdings hörte ich ein kurzes “Au, was soll denn das!?”, als ich gerade auf der anderen Seite des Scanners unser Gepäck einsammele. Was war passiert: San hat gerade ihren Rucksack zu unseren anderen bereits platzierten Sachen auf das Band legen wollen, als sich eine Chinesin an ihr vorbeidrängen wollte, um noch vor ihr den Rucksack zwischen all unseren Sachen aufs Band zu legen. Die Rechnung hat sie allerdings nicht mit meiner Frau gemacht. Sandra hat erstmal die Tasche runtergenommen, ihr in die Hand gedrückt und klar gemacht, dass sie nicht zum Spaß hier steht und sich hinten anstellen soll. Ihr, der Chinesin, war das herzlich egal, was dazu führte, dass sie einen neuen Anlauf nahm, um sich vorzudrängeln. San in ihrem “Jetzt-erst-recht-nicht-Modus” nahm erneut die Tasche vom Band, worauf sie kurzerhand einen Fausthieb der Chinesin in die Nierengegend bekommen hat. Ein Glück, dass San die dicke Daunenjacke anhatte und so nicht allzu viel davon abbekommen hat. Und ein Glück für die Frau, denn sonst hätte es wohl andersherum ordentlich gescheppert. Das Ganze ging in einer kleinen Rangelei aus und ist dann aber nochmal gut gegangen. Da passte es perfekt ins Bild, dass besagte Frau Reiseführerin (!) von einer der hottentotten China-Rentner-Reisegruppen war. Diese fallen uns immer besonders unangenehm in Asien auf, weil sie so laut, rücksichtslos und wie Falschgeld durch die Gegend dotzen. Und diese lassen mittlerweile auch chinesische Touristen die Augen rollen.

Mal nicht Sparfrosch sein hat sich gelohnt

Normalerweise reisen wir immer nur 2. Klasse und ich weiß gar nicht mehr genau, wie es dazu gekommen ist, dass wir die Flusskreuzfahrt nun im Upper Deck in der 1. Klasse verbringen, allerdings sind wir sehr dankbar über diese Entscheidung. Denn zwei der vielen sympathischen, chinesischen Reisegruppen haben es sich unten in der 2. Klasse gemütlich gemacht. Bei uns kann man dagegen sein eigenes Wort verstehen und sich sogar mit den anderen Reisenden aus Malaysia und Indonesien i in normaler Lautstärke unterhalten. Auch beim Mittagessen geht es gesittet zu. Ohne Schupsen und Drängeln.

Die berühmte Li-Fluss-Kreuzfahrt ist ein Muss laut Reiseführer, denn sie bietet Ausblicke, die seit Jahrhunderten Künstler und Poeten inspirieren. Historisch war die Region ein Rückzugsort für Gelehrte und Mönche. Und so ist es auch. Die Felsformationen bieten uns für die 4-stündige Fahrt eine spektakuläre Kulisse, auch wenn das Wetter leider nicht so optimal ist, so hat der Anblick schon fast etwas Mystisches.

Die Felsformation hat es sogar auf den 20 Yuan Geldschein geschafft, den wir uns für ein für ein entsprechendes Foto ausleihen, denn wir haben immer noch keinen in China gesehen, der mit Bargeld bezahlt, geschweige denn haben wir selbst keins.

Yangshuo – Chinesische Heilkunde und Natur pur

Am Pier in Yangshuo ist die Hölle los. Gut, es kommen auch zeitgleich 10 Schiffe an. Das hat schon fast etwas von einem Fussballspiel in der Allianz Arena, kurz nach Abpfiff, wenn alle Besucher sich langsam Richtung Auto und U-Bahn bewegen. Hier nur entsprechend vom Pier von Yangshuo zu den Bussen, oder wie wir zu unserem DiDi Fahrer.

Zen Garden Resort

Wir wohnen im Zen Garden Resort, das zwar etwas ausserhalb liegt, allerdings einen fantastischen Blick direkt von unserem Zimmer auf die Berge hat. Ein Traum. Es bietet traditionelle chinesische Behandlungen an, die wir gleich nach Check-in in Anspruch nehmen. So probieren wir eine klassische Tuina- und Pai Fa-"Massage aus, bei der Verspannungen und Blockaden durch das Drücken, Schieben, Rotieren und Schlagen der leicht gewölbten Handfläche gelöst werden. Gut, vielleicht wollte die Frau am Security Check San auch nur schonmal auf die Massage am Nachmittag einstimmen :-) Wir werden es leider nicht erfahren.

Traditionelle Handwerkskunst in Fuli

Wir mieten uns einen Elektroroller, die es hier an jeder Ecke gibt und auch Jeder ohne Führerschein fahren darf. Unser erstes Ziel in der Umgebung ist das traditionelle Dorf Fuli, das für seine Handwerkskunst bekannt ist. Dort angekommen, können wir zusehen, wie die traditionellen Fächer und Bilderrollen in allen Größen per Hand bemalt werden.

Nach diesem schönen ersten Stopp geht´s wieder zurück nach Yangshuo. Dieses Mal ist unser Ziel die bekannte West Street mit all ihren Geschäften, Restaurants und Bars. Allerdings stellen wir schnell fest, dass es – ähnlich wie in Guilin – zu viel Einheitsbrei und zu viel für unsere Synapsen ist. Wenn auch nicht ganz so schlimm, wie in Guilin. Daher zieht es uns, mal wieder, in eins der entspannteren anderen Viertel in ein kleines Cafe (Ze´ermo Coffee) mit leckerem Kaffee.

Zeit, um Neues auszuprobieren

Morgens um 07:30 Uhr wird im Zen Garden abwechselnd Tai Chi und Yoga angeboten. San hat sich entschieden vor dem Frühstück bei Meister Andy Tai Chi auszuprobieren. Für mich ist das zu früh.

Nach dem Frühstück mieten wir uns wieder einen Roller beim Kiosk ums Eck, allerdings hat das Wetter umgeschlagen und ist leider nasskalt und perfekt für unsere tolle Badewanne mit dem grandiosen Ausblick geeignet. Gesagt, getan.

Die Bühne ist die Landschaft selbst

Wir hoffen, dass das Wetter sich bis Abends wieder beruhigt, denn wir haben Karten (Kat. B2) für die Impression Liu Sanjie-Show, bei der über 600 Locals performen.

Die Impression Liu Sanjie-Show ist weniger ein klassisches Bühnenstück, als vielmehr eine Inszenierung der Landschaft selbst. Gespielt auf dem Li Fluss vor der Kulisse der Karstberge, verschmelzen Licht, Musik und Bewegung zu einem atmosphärischen Gesamterlebnis. Viele der Darsteller stammen aus der Region, was der Show eine spürbare Authentizität verleiht. Weniger perfekte Choreografie, mehr lebendige Momentaufnahme einer Kultur.

Die Regie dafür hat Zhang Yimou einer der bekanntesten Regisseure Chinas der z. B. auch die Eröffnungsfeier von Olympia in Peking geführt hat.

Wir genießen die rund 70-minütige Show, bevor es wieder trocken nach Hause geht. Was ein Glück, dass das Wetter gehalten hat.

Nach einer weiteren Behandlung am nächsten Morgen und einer kleinen Radtour verabschieden wir uns am späten Nachmittag vom Zen Garden. Es geht für eine weitere Nacht nach Guilin, in das Elong Hotel gegenüber dem Bahnhof, um dann am nächsten Morgen mit dem Zug weiter nach Zhangjiajie zu reisen. Es geht zum berühmten Tianmen Mountain und zum Zhangjiajie Nationalpark mit seinen Bergformationen, die als Inspiration für den Film Avatar gedient haben.

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