Aufbruch zu den Avatar Mountains – Zhangjiajie
Unsere Reiseroute führt uns von Yangshuo nach Zhangjiajie (ZJJ) und Wulingyuan, wo der bekannte Tianmen Mountain und der Zhangjiajie National Park auf uns warten. Dieser diente als Inspiration für den Film Avatar. Allerdings steht unsere erste Zugfahrt in China noch zunächst auf dem Plan, genau genommen eine 7 Stunden Fahrt in einem der Hochgeschwindigkeitszüge.
Abenteuer Zugfahrt in China
Da wir sichergehen wollten, dass mit dem Zug am nächsten Morgen auch alles klappt, haben wir kurzerhand umgebucht und eine Nacht in Yangshuo verkürzt und San hat uns gegenüber dem Bahnhof in Guilin etwas eingebucht. So vermieden wir die rund 1,5 Stunden lange Fahrt am Morgen inkl. Berufsverkehr, den wir schlecht einschätzen konnten und hatten Gelegenheit uns noch um das Ausstellen der Tickets zu kümmern. Daher ging’ nach dem Check-In direkt zum Bahnhof. Erst die Arbeit dann das Vergnügen (essen gehen).
Links an dem gefühlt nagelneuen und großen Bahnhofsgebäude stand schon in großem Schriftzug “Tickets” von weitem gut sichtbar und zusätzlich führten Linien auf dem Boden, zu den Zügen, zum Bus in die Stadt und eben zu den Tickets. Es war idiotensicher. San hat die Tickets, wie so Vieles für China, bei Trip.com gebucht. Nach dem Vorlegen der Reisepässe bekamen wir zwei Tickets mit je einem QR-Code ausgestellt, die wir am nächsten Morgen dann aber nicht mal benötigten.
Der Reisepass, war noch nie so wichtig
Generell kann man schon sagen, der Reisepass ist neben dem Handy (wegen AliPay, DiDi, AMap & Co) das wichtigste Reiseutensil in China. Ohne Ausweis kann man nicht fliegen, keine Bahn fahren, kommt in die meisten Sehenswürdigkeiten nicht rein, bekommt kein Hotelzimmer uvm. Das Gute, da der Reisepass entsprechend überall hinterlegt ist, scannt man diesen einfach nur fix und kann dann durch die Schranken einfach durchspazieren. Bedeutet allerdings auch: Kein Pass, keine Weiterreise.
Nach einem weiteren, sehr leckeren Abendessen direkt ums Eck (witzigerweise sind wir intuitiv oder zufällig genau in dem Restaurant gelandet, welches San als einziges markiert hatte, dann aber vergessen hat, als wir vor Ort waren), geht´s am nächsten Morgen zeitig zum Bahnhof. Man muss sich den Bahnhof wie einen Flughafen für Züge vorstellen.
Wer kein Ticket hat, hat auch keinen Grund sich im Gebäude aufzuhalten und kommt deshalb nicht rein.
Als erstes wird wie am Flughafen das Gepäck beim Security Check gescannt.
Anschließend geht´s zu den Gates mit Wartebereich davor und ausreichenden Sitzgelegenheiten, ein paar Shops (hier ein Mc Donalds, KFC, Luckin Coffee und noch 2-3 weitere kleine Läden) . Nicht zu vergessen die kostenlosen Wasserautomaten, die es dort immer gibt.
Eine Anzeigetafel gibt Info, wann welcher Zug von welchem Gleis fährt, und ob schon “Boarding” ist. Ja, Boarding!
Kleiner Spoiler. Alle Züge an dem Morgen fahren und sind auf die Minute genau pünktlich.
20 Minuten vor Abfahrt ändert sich der Status auf “Boarding” und man hat ca. 10 Minuten Zeit, um die Boarding-Schranken zu passieren. Als Nicht-Chinesen, nehmen wir einen der äußeren Schranken, da bei uns der Reisepass gescannt wird. Das Ticket benötigten wir noch gar nicht.
10 Minuten vor der Abfahrt schließt das Boarding. Daher wird empfohlen, 60 Minuten vor Abfahrt am Bahnhof zu sein.
Der Zug fährt ein, alle nehmen Platz und los geht die Reise. Überpünktlich, denn wir fahren sogar zwei Minuten früher ab.
Gut festhalten und ab geht die Fahrt
Während der Zug mit 300 Sachen durch das chinesische Land fliegt, fliegt an uns eine grüne Landschaft mit vielen Erhebungen und ein paar Bergen vorbei. Immer wieder sehen wir kleinere Ortschaften, was in China soviel heisst, dass die Einwohnerzahl unter 1,5 Millionen liegt, was der Größe von München entspricht. Immer wieder taucht mal eine größere Stadt auf, deren Namen selbst wir noch nie gehört haben und googeln sie. Das Ergebnis, „die Einwohnerzahl beträgt 7-8 Millionen“. Verrückt. Was auffällt, ist die extrem gut ausgebaute und gefühlt nagelneue Infrastruktur. Nicht nur bei den Gleisen und den Bahnhöfen, wo einige den Eindruck erwecken, als wären sie gerade erst eröffnet worden, sondern auch die Straßen und Autobahnen, die zum Teil immer wieder parallel zu unserer Bahn verlaufen, sehen nigelnagelneu aus.
Investieren und zwar richtig
Unser China GPT verrät uns, dass China in den letzten 10-15 Jahren massiv in die Infrastruktur des Landes investiert hat. Während es hier bei unserem ersten Besuch noch kaum High-Speed-Züge gab und somit viele Ecken des Landes nicht gut erreichbar waren, hat es das Land in den letzten Jahren geschafft, ein Streckensystem für Highspeed-Züge von 40.000 Km auf sehr moderne, saubere und einheitliche Art aufzubauen. Mit dem Ziel, die Regionen zu verbinden und somit die Mobilität von Millionen von Menschen zu verbessern, um am Ende die Wirtschaft zu pushen.
Eine Brücke bauen
Bemerkenswert finde ich, dass hier im gleichen Zeitraum, während mal eben 40.000 km High-Speed-Zugtrassen, Bahnhöfe, Tunnel und Brücken gebaut wurden, parallel mal eben noch 160.000 km (!) Expressways, was unserem Autobahnnetz entspricht, gebaut wurden. Das größte Autobahnnetz der Welt. So entstand eine schnelle Verbindung zwischen den Städten und flexible Mobilität und Logistik vor Ort. Wenn ich da an dem Neubau der sogenannten Schiersteiner Brücke (A643) denke, kann man nur den Kopf schütteln, wenn man das hier sieht. An der gerade mal 1.280m langen Brücke über dem Rhein, die Rheinhessen mit dem Rheingau verbindet, wird schon seit mehr als 10 Jahren gebaut. Ende nicht in Sicht (voraussichtlich 2028). Vielleicht sollten wir überlegen, zukünftig Aufträge an chinesische Baufirmen zu vergeben.
Was mich an der Sache sehr freut zu sehen, ist, dass wenn man sich als Land für etwas zu 100% comittet, es auch in vermeintlich kurzer Zeit, wie hier in 10-15 Jahren, umgesetzt werden kann.
Tianmen Mountain, ja da schau her – oder auch nicht
Nach einem langen Tag kommen wir Abends müde in ZJJ an. Wir gehen noch schnell was leckeres gegenüber essen und fallen in unserem kleinen Gästehaus ins Bett. Morgen geht´s früh raus. San hat uns via Trip.com einen der ersten Spots (7-8 Uhr) für die Seilbahn gebucht, was eine Empfehlung aus einem anderen Blog gewesen ist. Also da sein, bevor die Massen kommen.
Die Stadt selbst wirkt etwas wie ein Skiort in Österreich. Sie liegt im Tal und links und rechts erheben sich die Berge. Die Gondelstation liegt im Ortskern gut zu Fuß für uns erreichbar und im Center selbst bestimmen Hotel und, Restaurants das Bild. Nur die Ski, oder in meinem Fall das Snowboard, fehlt.
Als wir hoch zu den Berggipfeln schauen, sieht es zwar aus, als hätte es geschneit, allerdings ist es eine geschlossene Nebel-/Wolkendecke, die wir da sehen.
Da ein Teil der Seilbahn gerade renoviert wird, kommen wir ab der Mittelstation in den Genuss noch die restlichen 54 der 99 Serpentinen mit dem Bus zu fahren, die schon für alle erdenklichen Extremsportarten herhalten durften.
Wir kommen oben an und sehen erst mal nichts. Denn wir stehen mitten in der Nebelwand. Wir sollten eigentlich einen tollen Ausblick von hier aus auf die 999 Stufen der steilen Himmelstreppe und zur Tianmen Cave haben, allerdings sehen wir die ersten 99 Stufen und dann verschwindet alles in einer weißen Wand. Meine Hoffnung, dass, wenn wir die gefühlt unendlich lange Rolltreppe mitten im Berg nehmen, oberhalb der Wolkendecke mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt werden, wurde knapp 20 Minuten, nach dem Ende aller Rolltreffen, enttäuscht. Hier oben war die Hand vor Augen kaum noch zu sehen und wir waren sehr froh, dass wir die letzten 3 Monate unsere Handschuhe, Mütze und Thermoshirt durch die Welt mitgeschleift haben. Heute war ihr Tag gekommen. Die Glasbrücke mit ihrem durchsichtigen Boden in schwindelerregender Höhe, auf die ich mich schon sehr gefreut habe, brauchte ich auch gar nicht erst ansteuern. Heute sah sieh aus, als hätte mir jemand den weißen Teppich ausgerollt.
Da wir nicht aufgeben wollten, folgten wir dem Wanderpfad als weiter, wurden dafür allerdings nicht belohnt, Als es dann noch anfing zu regnen, war klar: Es ist Zeit zu gehen. Auf dem Weg runter bekamen wir ein Gefühl davon, was der andere Blog-Artikel mit „bevor die Massen kommen“ meinte. Auch wenn es noch weit vor der Hauptsaison ist und man bei dem Wetter keinen Hund vor dir Tür schicken würde, strömen jetzt massenhaft Gruppen mit ihrem Wimpelführern die Rolltreppe, auf der wir morgens noch fast alleine gewesen waren, nach oben.Als würde es oben kostenlos Reiswein geben.
Avatar Mountains und der Weg des Wassers
Unten wieder angekommen, schnappen wir uns unsere Taschen, die wir im Hotel gelassen haben und fahren mit dem DiDi die 30 Minuten weiter nach Wulingyuan zum Zhangjiajie National Park (East Gate).
Neuer Tag neues Glück. Es geht wieder sehr früh raus. Auch hier gilt vor den Massen unterwegs zu sein und nachdem das gestern zu gut geklappt hat, waren wir motiviert als der Wecker um 5:50 Uhr klingelte. San hat uns für die 2 Tage im NP wieder einen der frühen Spots (7-8 Uhr) vorab eingebucht. Das bedeutet, dass wir bis spätestens 8 Uhr das East Gate, welches fußläufig von unserem Borrman Hotel nur 3 Minuten entfernt liegt, passiert haben müssen. Auch hier benötigt man wieder den Reisepass, sonst kein Einlass. San musste die Ausweisnummer bei der Buchung auf Trip.com eingeben und daher läuft alles vollautomatisch. Reisepass auf den Scanner, einmal freundlich in die Kamera lächeln und fertig. Anschließend öffnen sich alle weiteren Schranken per Gesichtserkennung.
Nach einer Busfahrt geht es mit der Seilbahn direkt zum Berggipfel des Tianzi Mountains. Die Sandstein-Bergformation ist seit dem ersten Film von Avatar noch populärer geworden, als sie es wahrscheinlich durch ihre Schönheit vorher schon war. Durch ihre zum Teil sehr schmalen und hundert Meter hohen Formationen, sieht es bei leichten Wolken so aus, als würden die so „losgelösten“ Bergzipfel frei schweben. Auch wenn das Wetter deutlich besser ist, als gestern ist, bekommen wir leider die noch mystischere Version davon zu Gesicht. Durch die massive Wolkendecke taucht immer wieder mal eine der Spitzen auf. Und auch nur, wenn man lang genug an einer Stelle stehen bleibt. Am Anfang noch so kurz, dass ich es nicht mal geschafft habe, die Kamera aus dem Rucksack zu holen. Dann waren sie auch schon wieder weg.
Oben auf dem Plateau, ist alles sehr gut mit einem Bus-System verbunden. Das ganze Gebiet ist nicht zusammenhängend per Bus verbunden, sondern immer nur verschiedene Ecken. Die Zwischenstücke muss man erwandern oder die Seilbahn und Aufzug nutzen. Wir versuchen die chinesische Karte, die scheinbar auch für chinesische Hirnwindungen gedacht ist, zu durchschauen, kommen dann aber gut voran und entscheiden uns für den Ten-Miles-Gallery Hike.
Der Ten-Miles-Gallery Wanderweg führt uns mitten zwischen durch die gigantischen Bergformation, während die Sicht mit jedem Meter besser wird. Das erste Schild zeigt uns eine von Länge 4,8 km an. Was dort allerdings nicht steht, ist,, dass es ausschließlich kleine und ungleichförmige Treppenstufen sein würden. Tausende! Viele tausende! Wir schätzen 12..000-13.000. Cirka 80% dieser nach unten und rund 20% immer wieder mal nach oben. Schnell wird klar, Thermoshirt war gestern, heute ist T-Shirt angesagt. Immer wieder kommen uns Menschen, völlig verschwitzt und außer Atem von unten entgegen. Denen hat auch keiner gesagt, dass es nur knapp 5 km bergauf Treppensteigen sein wird.
Kaiserwetter in den Avatar Mountains
Wir wachen auf, der Wecker meint es mal wieder nicht gut mit uns, allerdings ziehen wir die Gardinen auf und sehen einen blauen Himmel. Keine einzige Wolke am Himmel und die Sonne geht gerade auf. Herrlich. Das setzt neue Energie frei, denn wir beide merken deutlich das Treppensteigen von gestern in den Waden und laufen wie ein Pferd auf rohen Eiern oder wie ein Pinguin (Nachtrag San: Ich hatte vier Tage heftige Schmerzen). Heute soll es erst mit dem Bailong-Aufzug nach oben gehen und dann zu den Halleluja-Mountains (die eigentlichen Avatar Mountains) und dem Wanderweg dort entlang. Dann mal schauen, was die Beine nach den letzten beiden Tagen wandern noch hergeben.
Es ist so beeindruckend nun die ganze Bergformation sehen zu können und nicht nur immer einen Auszug, den eine Wolke gerade meint freizusetzen. Wir genießen es und machen immer wieder mal hier und da eine Pause, um einfach den Ausblick zu genießen und Fotos zu machen. Auch Snacks und Getränke gibt es hier einige. So dass wir nicht, wie am Tag zuvor bis zum Tal warten müssen.
Abends gönnen wir uns wie gestern eine Fußmassage, wovon es unten im Tal neben Hotels und Restaurants einige gibt. Nach drei Tagen geht es am nächsten Tag mit dem Zug zu unserer letzten Station der Reise. Nach Chengdu, der Stadt der Pandas.