Shanghai – 15 Jahre später, zurück in einer anderen Zeit

Süßes Cafe in Shanghai in China - Bas d ban

21.–24.03.2026

Südkorea, Japan oder China? Die Frage stand vor ein paar Monaten im Raum. Schnell wurde daraus nur noch ein Korea oder China, da wir in Japan schon mal eine Rundreise gemacht haben. Dann nur noch China, da wir hier am Längsten nicht mehr gewesen sind. Die Kirschblüte, die wir uns außerdem noch anschauen wollten, beginnt in allen Länder fast zur gleichen Zeit.

China, in einem Land vor unserer Zeit

So stornierten wir unseren Rückflug von Thailand und buchten anhängend an unseren Winter Escape einen Direktflug von Bangkok nach Shanghai. Als wir in den vergangen Wochen gesagt haben, wir fliegen nach China, war die Reaktion fast immer irgendwie gleich: “China?”. Die letzten Jahre haben wir so viel gehört und gesehen und möchten uns gerne selbst ein Bild davon machen. Vor allem das Leben ausserhalb der Metropolen kennenlernen und tiefer in die Kultur, Land und Leute eintauchen.

Wie in dem China-Planungsartikel (wird nach der Reise gepostet) beschrieben, eröffnet das aktuelle Reisezeitalter völlig neue Möglichkeiten, als unser letzter Besuch in Peking während unserer Weltreise vor 10 Jahren, oder während unserer 3-monatigen Reise in 2011 nach Shanghai.

San hat die ganze Reise geplant und organisiert und ist mit ChatGPT und Reiseführer schon viel früher in das Land der aufgehenden Sonne eingetaucht, als ich.

Du kommst hier nicht rein

Fast hätte sie es nicht rein geschafft. Was ist passiert? In einer späten Abend-Session vor ein paar Tagen in Bangkok, als San noch arbeitete und die letzten Reisevorbereitungen noch gemacht werden mussten, habe ich mich dem Thema Einreiseformular angenommen, welches uns die Airline vorab geschickt hat. Es war leider auch für mich schon spät, daher ist mir beim Copy and Paste nicht aufgefallen, dass sich bei Sandras Dokument eine Zahl vor die eigentliche Pass-Nummer geschlichen hat. Auf diese hackte jetzt der freundliche Offizier an der Immigration herum, während San mir böse Blicke zuwirft und ich mir wünsche der Boden unter meinen Füßen würde sich auftun. Es ist mir sehr unangenehm, gerade hier und nicht in Thailand. Das geht ja gut los. Er hat dann Gnade mit mir, da er wohl San’s Augen gesehen hatte, und winkt sie durch. Gott sei Dank.
Ergänzung San: Ein Teil davon war durchaus Taktik. Da die Frauen hier sehr viel mit ihren Männern meckern, dachte ich mir, dass es eine gute Strategie ist, auch zu schimpfen, damit der Officer mit Marco sympathisiert und mich durchlässt. Hat funktioniert würde ich sagen.

300 Sachen und mehr

Mit mehr als 300 km/h gehts mit dem Maglev-Train vom Flughafen in die Stadt, die mit 25 Millionen Einwohnern 7× so groß ist, wie Berlin. Die Fahrt dauert angenehme 8 Minuten. In Deutschland war ich letztes Jahr froh, wenn die Züge überhaupt gefahren sind.

Es ist schon spät, als wir mit dem Zug an der Endstation, aber eben noch nicht am Hotel, ankommen. Da wir Hunger haben, wollen wir so schnell wie möglich nur noch ins Hotel und bestellen uns daher mit der DiDi App einen Fahrer.

Ich glaube, ich sehe und höre nicht richtig

Wir steigen in ein großes, modernes Auto ein, dessen Hersteller wir noch nie gesehen haben. Durch unsere viele Zeit in Asien, kennen wir schon sehr viele Automarken, die es in Europa (noch) nicht gibt. Den hier kannten selbst wir noch nicht. Wir genießen den Ausblick auf die Skyline von Shanghai. Wir stehen an einer Ampel, als ich gerade herausfinden möchte, wie lange wir noch bis ins Hotel brauchen. Ich schaue mir alle Infos auf dem Navi, des Fahrers an und glaube mich tritt ein Pferd. Das Navi zeigt tatsächlich an, wie lange die Ampel noch rot bzw. grün ist und zählt es wie einen Countdown runter. Das Gleiche gilt für die nächste Ampel, die vor uns liegt. Ich brauche noch 3 weitere Ampeln, um das Gesehene richtig einzuordnen. Wie geil ist das denn!? In Mainz hat es die Stadt innerhalb von 5 Jahren nicht einmal geschafft, die Ampelschaltung für eine grüne Welle von 50 auf 30 zu anzupassen. Ich bin begeistert.

Leider ist die Adresse des Hotels trotz chinesischer Adresseingabe nicht korrekt, so dass wir erst einmal woanders ausgeladen werden. 15 Minuten laufen ist daher angesagt.

Irgendwann kommen wir am Atour Hotel an und stehen vor der Tür. Das Hotel liegt an einer Kreuzung, wo zwei 6-spurige Straßen sich kreuzen und trotz des Verkehrs hören wir nichts! An uns fahren eine Unmenge von Rollern und Autos vorbei und das einzige Geräusch ist, wie Gummi über den Asphalt rollt. Kein Motorbrummen, kein Auspuffgeknatter. Einfach nichts. Alle Roller und Autos sind elektronisch betrieben.
Wir kommen gerade aus Bangkok, wo Roller-, TukTuk- und Auto-Geräusche wie ein Musikstück sind. Mal lauter, mal leiser, aber nie ganz weg. Hier ist das ganz anders.

Mein Name ist R2D2, ich arbeite hier

Wir kommen vom Abendessen zurück, als mit uns ein Roboter am Aufzug steht, den er sich gerade selbst gerufen hat. Die Roboter übernehmen hier u.a. den Room-Service, was in Asien super nützlich ist, denn Food-Delivery, also sich Essen bestellen und liefern zu lassen, ist ein sehr großes Thema. Als Verena uns in Thailand besuchte, hat sie sich regelrecht darauf gefreut, dass machen zu können. Zu recht, denn es ist echt ein Erlebnis. Man kann bei egal welchem Laden in der Stadt bestellen und bekommt es für ein paar Cent direkt an die Tür geliefert. Normalerweise, geben sich vor der Tür die Roller-Fahrer die Klinke in die Hand. Hier geht das noch einen Schritt weiter. Denn die Fahrer übergeben dem Roboter, nennen wir ihn mal R2D2, das Essen, damit dieser es dann bis an die Hotel-Zimmertür liefert. Das ganze voll automatisch - wie geil ist das denn?! Wir sind total begeistert.

So teilen wir uns in den nächsten Tagen regelmäßig den Fahrstuhl mit R2D2, dessen Display verrät, wo er aussteigt.

Wir haben doch kein Geld

Den ersten Abend haben wir zum ersten Mal unseren AliPay Account zum Bezahlen der Suppe in einem kleinen Eck Restaurant benutzt und waren aufgeregt, ob es klappen würde, da all unsere Versuche in Bangkok gescheitert sind und wir nicht nachvollziehen konnten, an was es gelegen hat. Hier funktioniert es auf einmal einwandfrei.

Jetzt geht es zur Metro und wir haben immer noch keinen ATM gesehen und daher noch kein Bargeld und hoffen, dass wir auch hier mit AliPay irgendwie bezahlen können. Wenn nicht, brauchen wir einen Plan B. Um das mal etwas einzusortieren, von was wir hier sprechen: Es ist, wie wenn man in Deutschland darauf bauen würde, das man mit PayPal bei dem örtlichen Verkehrsbetrieb ein Ticket kaufen kann. Aktuell scheitert es aus Erfahrung daran, dass sie nur EC-Karten -wenn überhaupt – nehmen. Tatsächlich haben wir dann gar nicht mit Alipay bezahlt, denn genau wie in Sydney vor 3 Jahren erkenne ich das Visa Tap’n’go Zeichen bei der Kontrolle am Eingang und sage: “Hey San, wir können mit ApplePay einfach tappen und durchgehen.” Fertig. Kein, wie funktioniert das Ticketsystem usw. Einfach Handy drauflegen, durchgehen und wenn man aussteigt, das Gleiche nochmal und das System rechnet den Betrag für die Single Fahrt aus. Oder auch, ob man am Ende mit einer Tageskarte besser gefahren wäre. Easy.

Ich glaub wir sind hier falsch

Unser erstes Ziel: das Viertel French Concession. Die French Concession ist ein historisches Viertel aus der Kolonialzeit und war früher (1849 bis 1943) unter französischer Verwaltung. Heute bekannt für von Bäumen gesäumte Straßen, Cafés, Boutiquen, kleine Restaurants und eher „europäisches“ Flair mitten in Shanghai. Wo wir allerdings zuerst mit der Metro rauskommen, ist eine Touristen-Straße (Tianzifang) mit einem Kitschladen neben dem nächsten. Alle verkaufen das Gleiche. Dinge, die keiner braucht. Das haben wir uns anders vorgestellt, oder sind wir hier vielleicht nicht richtig?

Man muss wissen, die French Concession ist ein sehr großes Areal, aber das hier, wurde uns als the place to be angezeigt. San hatte aber noch zwei andere Ecken bereits markiert (Anfu Road und Wukang Road), zu denen wir uns dann kurzerhand mit dem DiDi hinbringen lassen - Fahrzeit 25 Minuten.

So schlendern wir erst etwas durch die schönen Straßen mit den vielen kleinen Läden, um dann in dem fancy Café, den mein Lieblings-Barista aus dem Drip Rim Lay aus Hua Hin empfohlen hat, das Bas d ban, einen Kaffee zu trinken.

16k und keinen Meter weiter

Auf dem Rückweg besuchen wir noch den Jiang Tempel, in dem wir auch vor 15 Jahren gewesen sind. Eins der wenigen Sachen von damals, an die wir uns, neben dem leckeren Essen noch erinnern können.

Mit mehr als 16.000 Schritten fallen wir erschöpft ins Bett.

Ich sehe was, das du nicht siehst und kennst

Am nächsten Morgen begeben wir uns auf den Weg zum Gucun Park, um die Kirschblüte zu sehen. Auf dem Weg zur Metro sind wir, vor allem ich, immer noch hin und weg wie viele neue Automarken und Modelle wir nach drei Tagen in China immer noch entdecken. BYD, NIO, XPeng, Li Auto, Zeekr, Deepal, AITO, Leapmotor, Ora, Avatr, …. um nur mal ein paar der Marken zu nennen. Marken, die ich, bis auf BYD, noch nie vorher gehört habe. Gut, ich bin auch im Thema Autos nicht wirklich drin, aber sie bilden hier das gesamte Straßenbild und alles ist elektrisch. Sämtliche Busse, LKWs und Transporter – alle haben keinen Verbrenner mehr. Da ist es schon fast sinnbildlich, dass an einer Tankstelle, an der wir vorbeikommen, nur deutsche Autos stehen. Porsche, BMW, Audi, VW stehen hier als einzige an den Säulen.

Ich frage meinen ReiseGPT zu dem Thema und bekomme folgende Infos angezeigt:
Shanghai ist ein weltweites Zentrum der Elektromobilität, in dem Elektroautos, bereits rund die Hälfte der Neuzulassungen ausmachen. Die Messe „Auto Shanghai“ zeigt die Dominanz heimischer Hersteller (BYD, Nio, Xiaomi), sowie neue, erschwingliche Modelle. Ein starker Fokus liegt auf 800-Volt-Technik, hoher Reichweite (bis zu 1.000 km mit einer Tankladung) und KI-gestütztem Fahren. Gerade die 800-Volt-Technik bringt ein E-Auto von 10% Batterieladung auf 80% in unter 15 Minuten.

  • Marktdominanz: Einheimische Marken wie BYD, Nio und Xiaomi dominieren den Markt mit moderner Technik und attraktiven Preisen.

  • Wettbewerb: Ausländische Hersteller wie VW, BMW und Mercedes stehen unter hohem Druck, da ihre Modelle oft als weniger innovativ gelten.

    • Audi: Führt deshalb u.a. eine neue Marke ohne das klassische Vier-Ringe-Logo ein, die sich auf smarte, elektrische Premium-Modelle für den chinesischen Markt konzentriert.

Kirschblüte im Gucun Park

Nach knapp einer Stunde erreichen wir den Gucun Park im Norden der Stadt. Der schön angelegte Park erweckt den Eindruck, dass er in erster Linie für die Kirschblüte angelegt wurde. Ansonsten ist er ein Mix aus Holiday Park und Grünanlage, mit Riesenrad, Achterbahn, See zum Rudern zwischen Seerosen und Alleen, wo man unter den Kirschbäumen durchlaufen kann, während die Hüpfburg am anderen Ende mit lauter Beschallung auf einen wartet. Alles an einem Ort, ausser den Kirchblüten. Obwohl wir uns den geschätzten Peak der Kirschblüte ausgesucht haben, sind nur ein paar wenige ausgetrieben und der Großteil kommt voraussichtlich eher in ca. einer Woche. Daher drehen wir eine Runde durch den Park und nehmen Kurs auf unser Hotel. Nachdem es vor unserer Ankunft hier schon sehr sonnig und viel wärmer gewesen ist, hat der Frühling heute eine Auszeit genommen. Es ist nasskalt und regnerisch.

Morgen lassen wir Shanghai hinter uns.

Es geht weiter mit dem Flieger nach Guilin und Yangshuo – raus aus der Stadt, rein in das, warum wir eigentlich in China sind.

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