Es ist geschafft, der CrossFit Thailand Throwdown – Chiang Mai

Mein erster CrossFit Throwdown ist geschafft

Es ist geschafft. Ich auch. Und die gute Nachricht: Ich lebe noch.

Nach ein paar Tagen Abstand ist klar: Ein klassischer Wettkampfbericht würde dem Ganzen nicht gerecht werden. Zu viele Eindrücke, zu viele Gedanken – und zu viele Emotionen, die sich nicht sauber in eine chronologische Reihenfolge pressen lassen.

Im letzten Beitrag Expect the unexpected habe ich euch Einblicke in die Vorbereitung zu meinem ersten CrossFit-Wettkampf gegeben, und warum ich mit 46 der Meinung war, mich genau diesem Projekt anzunehmen. In diesem Beitrag geht es um das Wettkampfwochenende selbst.

Ich habe zwar versucht, zwischen den Events kurze Sprachnachrichten aufzunehmen, um alles möglichst authentisch festzuhalten. Als ich sie mir später angehört habe, klang das allerdings eher wie ein Interview direkt nach einem Champions-League-Finale: viel Gefühl, wenig Struktur – irgendwo zwischen Oliver Kahn und „wir müssen jetzt erst mal alles analysieren“.

Deshalb habe ich mich für ein Frage-Antwort-Format entschieden. Es sind die Fragen, die mir selbst geblieben sind – vor dem Wettkampf, mittendrin und danach. Und die Antworten, die sich erst ergeben haben, als der Staub sich langsam gelegt hat.

Wovor hattest du vor dem ersten Event am meisten Respekt?

Den größten Respekt hatte ich davor, eines der Movements (Übungen) bzw. deren Regulation zu vergessen oder die Reihenfolge durcheinanderzubringen.

Ich hatte mir im Vorfeld sogar überlegt, mir den Ablauf auf den Unterarm zu schreiben – ähnlich wie Jens Lehmann im Viertelfinale der WM 2006, als er im Spiel gegen Argentinien beim Elfmeterschießen einen Zettel aus seinem Schienbeinschoner geholt hat.

Da sich in einigen Workouts die Anzahl der Wiederholungen verändert und zum Teil – gerade auch in Training-Classes – recht viele und komplexe Dinge auf dem Whiteboard stehen, war das tatsächlich eine meiner größten Sorgen.

Was war körperlich härter als erwartet – und was überraschend okay?

Ich kannte das noch von Fußball-Hallenturnieren aus meiner Jugend: Man spielt ein Spiel und hat danach zwei Stunden Pause. Etwas, das ich in späteren Jahren nicht vermisst habe.

Daher konnte ich mir gut vorstellen, wie es sich anfühlt, fokussiert und gut aufgewärmt in ein Event zu gehen, um dann zwei bis drei Stunden Pause zu haben und sich anschließend wieder aufwärmen zu müssen, als würde man zum ersten Mal an diesem Tag Sport treiben. Und das am Samstag für vier Events und am Sonntag für drei.

Überrascht hat mich mein körperlicher Zustand am Sonntag, vor allem nach dem Ende des Wettkampfs.

Ich war nicht so platt, wie ich es manchmal nach einem normalen Team-Workout im CrossFit GenGym bin. Auch dass ich Sonntags alle Events ergebnistechnisch im vorderen Drittel abgeschlossen habe, passt dazu – auch wenn böse Zungen behaupten würden, dass ich mich vielleicht immer noch zu sehr geschont habe. 🙂

CrossFit Thailand Throwdown in Chiang Mai, Marco beim Rudern

Der Moment, in dem ich kurz dachte: Warum tue ich mir das an?

Direkt im ersten Event (Double Bogey+).
Es schien, als hätte mir jemand einen Magneten in mein Athleten-Shirt eingenäht oder als hätte sich die Erdanziehung plötzlich verdoppelt.

Neben Overhead Squats – bei denen mit einer Langhantel (in meinem Fall mit „nur“ 50 kg) mit ausgestreckten Armen über dem Kopf in die Kniebeuge geht und wieder in den Stand aufsteht – waren Burpees Teil des Workouts. Fünf Runden, im Wechsel jeweils acht Wiederholungen.

Ein Burpee ist ja vermeintlich eine einfache Übung: hinlegen, aufstehen, springen und wieder hinlegen.

Doch an diesem Morgen klebte ich förmlich am Boden fest. Mit jedem Hinlegen wurde es schlimmer. Mein Puls ging bereits in Runde zwei komplett durch die Decke, obwohl meine Strategie war, nicht zu schnell zu starten und mich mit einer konstanten Geschwindigkeit durch das Workout zu bewegen.

Als ich dann in Runde drei oder vier wieder einmal versuchte aufzustehen und gleichzeitig nach Luft rang, kam mir der Gedanke, dass es eigentlich auch ganz schön wäre, einfach liegen zu bleiben und zu warten, bis die 8 Minuten vorbei sind.

Thailand Throwdown in Chiang Mai, Athlet gibt alles und sitzt nach dem Event erschöpft auf dem Boden

Wann ich gemerkt habe: Ich gehöre hierher

Im Event 3, Blood War.
Thrusters, Chest-to-Bar Pull-ups und Devil’s Press in aufsteigender Wiederholungszahl mit jede Runde drei mehr.

Sprich: erste Runde drei Wiederholungen, dann sechs, neun – bis 15.

Das Workout ist ein toller Mix aus Lifting (Thruster), Gymnastics (C2B Pull-ups) und einem Burpee mit Kurzhanteln (Devil’s Press), also Cardio. Vor jedem Workout habe ich mir eine Strategie überlegt, wie ich es angehen möchte, und versuche dann, möglichst lange – idealerweise bis zum Schluss – daran festzuhalten.

Hier habe ich gemerkt, dass sich genau das auszahlt.

Ich bin bewusst sehr langsam in dieses Workout gestartet, während links und rechts von mir alle wie die Feuerwehr losgelegt haben und davon gezogen sind. In der Runde mit den neun Wiederholungen habe ich dann gesehen, dass viele Pausen machen mussten. Ich dagegen versuchte, mein Tempo zu halten und ohne Pause mir einen Rep nach dem anderen zu holen.

Plötzlich war ich ihnen einige Wiederholungen voraus.

In den Runden mit 12 und 15 Wiederholungen mussten sie immer wieder und länger pausieren, während ich versuchte, meine Geschwindigkeit beizubehalten. Und genau da habe ich gemerkt: Dieses Event habe ich gut gemeistert. Auch das macht aus meiner Sicht einen Athleten aus.

Wie sich Wettkampf-CrossFit wirklich von Training unterscheidet

Im Wesentlichen melde ich mich im Training für eine Class an und folge damit automatisch einem Programm, das häufig über Wochen oder Monate läuft und vom Head Coach festgelegt wird. Man geht hin, versucht besser zu werden, hat Spaß und geht wieder nach Hause und geht wieder hin.

Mit der Anmeldung zum Wettkampf bekam ich hingegen eine Liste mit möglichen Movements (Übungen), inklusive der jeweiligen Gewichte. Die Liste war lang – nicht zu lang, aber lang genug. Vor allem deshalb, weil viele Übungen mit der Kettlebell, der Dumbbell (Kurzhantel) oder der Langhantel ausgeführt werden können und jede Variante im Grunde ein eigenes Movement darstellt.

Ein Großteil dieser Übungen kommen bei uns regelmäßig in den Classes vor, andere hatte ich seit Monaten oder sogar Jahren nicht mehr gemacht. Plötzlich setzt man sich viel intensiver mit Abläufen und einzelnen Übungen auseinander, vor allem in der Extra Mile, die ich vor oder nach den Classes eingebaut habe.

Wenn die Class zum Beispiel sehr beinlastig war, habe ich in der Extra Mile eher etwas für den Oberkörper gemacht. Es konnte aber auch bedeuten, dass die Schultern durch die Class gut aufgewärmt waren und man genau darauf aufbauend noch etwas dranhängte. Das musste ich alles selbst und individuell planen.

Auf einmal gibt es viele Puzzleteile, und man muss sich neben der sauberen Ausführung auch Gedanken machen, wie all das sinnvoll in den eigenen Trainingsablauf passt.

Was mein Alter im Wettkampf bedeutet hat – im Kopf mehr als im Körper

Ich denke, dass Alter im Sport schon eine wichtige Rolle spielt, vor allem, wenn es um Regeneration nach Belastungen und den Umgang mit Verletzungen geht.

Gleichzeitig bringt es aber auch Vorteile, wie die gesammelte Erfahrung mit sich. Zum Beispiel lässt man sich nicht mehr verrückt machen, wenn in der ersten Runde alle anderen davonziehen, weil man gelernt hat, dass erst nach der letzten Runde abgerechnet wird.

Ich war selbst überrascht, wie ruhig und fokussiert ich bei jedem Event direkt vor dem Start gewesen bin. San hatte einen deutlich höheren Puls als ich vor dem Start eines jeden Events und während dessen.

Ich weiß nicht, ob mir das mit Mitte 20 in dieser Form auch gelungen wäre.

Eis Bad nach dem CrossFit Thailand Throwdown in Chiang Mai

Eisbad nach dem ersten Wettkampf-Tag

Was ich völlig falsch eingeschätzt habe

Die letzte Woche vor dem Event.
Ich hatte permanent das Gefühl, etwas falsch zu machen. Ich stellte mir Fragen wie: Wie lange kann ich noch in die Class gehen? Wann ist der richtige Zeitpunkt, um das Pensum zu reduzieren und nicht zu früh? Trainieren versus sich auf der Zielgeraden noch verletzen.

Und dann war da noch das Thema Essen.

Ich habe mich in den Wochen davor mit so vielen anderen Athleten unterhalten. Gefühlt hatte jeder sein eigenes Geheimrezept. Und ich? Keine Ahnung. Keine Erfahrungswerte, auf die ich hätte zurückgreifen können.

Also habe ich mich – weil es mir am Logischsten erschien – an Peter (Pole, der in Chiang Mai lebt) orientiert und ab dem Montag vor dem Throwdown jeden Tag die Zufuhr an Carbs erhöht und viel getrunken. Fertig.

Ab Mittwoch sind wir dann auch nur noch dort essen gegangen, wo wir schon vorher einige Male gewesen waren. Kein Fisch, einfach um die Wahrscheinlichkeit möglichst gering zu halten, dass irgendetwas schiefgeht.

San hat nach dem Wettkampf drei Kreuze gemacht, als wir wieder frei entscheiden konnten, was und wo wir essen gehen.
Fun fact: Nach dem Wettkampf sind wir als erstes Sushi essen gegangen und ich habe mir für mehre Tage den Magen verdorben.

Was ich beim nächsten Mal genauso wieder machen würde

Ich würde wieder die Trainingsintensität von drei auf fünf Einheiten pro Woche erhöhen.
Weiterhin würde ich in die Classes gehen – allein schon, weil es mir mehr Spaß macht, mit anderen zu trainieren, als nur mein eigenes Programm durchzuziehen.

Auch würde ich erneut 30-60 Minuten gezieltes Skillwork einbauen, um an Schwächen zu arbeiten oder Übungen zu trainieren, die in den Classes nicht so häufig vorkommen.

Und ich würde mir für jedes Event wieder eine Strategie überlegen, die realistisch ist und die man auch wirklich bis zum Ende durchhalten kann.

Aufgrund meines Muskelfaserrisses in der Wade, konnte ich leider die Double Under (DU) in der Vorbereitung nicht trainieren und habe dann beim Throwdown das erste mal in einem Workout 220 Stück (!) geschafft.

Was ich vor dem Throwdown über mich geglaubt habe – und was sich danach verändert hat

Zu sehen, dass ich mit 46 Jahren den Thailand Throwdown und meinen überhaupt ersten Crossfit-Wettkampf als 16. (!) in der Intermediate Division (mittlere Kategorie) abgeschlossen habe, hat mir gezeigt, dass ich vielleicht doch nicht ganz so unfit bin, wie ich manchmal denke, und dass Alter am Ende eben nur eine Zahl ist.

Ich denke, dass ich stolz auf das Geleistete sein darf.

Jahrelang war ich der Meinung, dass ich Lichtjahre davon entfernt bin, jemals bei einem CrossFit-Event an den Start gehen zu können, ohne mich völlig zu blamieren. Jetzt habe ich gesehen, dass ich es in einem Event sogar unter die Top 5 geschafft habe.

Und ehrlich gesagt: Ich würde mich sofort wieder anmelden, ohne zu zögern. Mit dem immer noch nötigen Respekt, aber auch mit dem Wissen, dass ich mit der richtigen Vorbereitung es gut schaffen kann. Am Ende ist es eben genau das, was ich gelernt habe: ein Rep nach dem nächsten.

Der Moment, der mir noch Tage später im Kopf geblieben ist

Als mir Ashton, einer der Coaches vom CrossFit Chiang Mai, nach dem Wettkampf sagte, dass man als Zuschauer nicht gesehen hat, dass ich 10–20 Jahre älter bin, als die meisten der anderen Athleten.

Was vom Throwdown bleibt, jetzt wo der Staub sich legt

Auf der einen Seite bleiben die vielen tollen Menschen, mit denen ich an diesem Wochenende gemeinsam diese Reise angetreten bin, vor allem die Athleten in meiner Division. Menschen, mit denen man gemeinsam gefiebert und gelitten hat, und für die man sich am Ende genauso über ihre Leistung gefreut hat, wie über die eigene.

Dann die Crew des Thailand Throwdowns – Judges, Volunteers und alle im Hintergrund – die einem jederzeit das Gefühl gegeben haben, dass sie an einen glauben und es genau richtig ist, hier zu sein.

Und dann bleibt vor allem die Reise dorthin.
Damit meine ich nicht den Flug nach Thailand. 🙂

Ich mache CrossFit seit über einem Jahrzehnt, und trotzdem durfte und konnte ich in der Vorbereitung noch unglaublich viel lernen, vor allem über noch saubere Abläufe von Movements und kleine Details, die am Ende einen großen Unterschied machen. Das bringt mich immer wieder zu derselben Erkenntnis: Man lernt nie aus.

Und genau das macht diesen Sport so spannend und vielseitig, es gibt immer etwas zu tun.

Trotzdem freue ich mich jetzt erst einmal darauf, das Pensum von fünf Trainingseinheiten pro Woche wieder etwas herunterzuschrauben, bevor ich dann in zwei Monaten beim HYROX-Event in Bangkok an den Start gehe. Dieses Mal das erste mal alleine.

Nach dem CrossFit Throwdown in Chiang Mai
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Expect the unexpected – Marco’s erster CrossFit Wettkamp – Chiang Mai/Thailand