Mauritius, ein Inselparadies anders als erwartet

Strand auf Mauritius bei Flic en Flac

Es ist Neujahr 2026, unser letzter Tag auf Mauritius. Wir kommen gerade vom Strand zurück, an dem wir heute Morgen waren, und jetzt sitze ich mit einem Kaffee auf dem Balkon unseres wunderschönen Airbnb-Apartments und schaue in die grüne Natur von Mauritius. Über mir lacht die Sonne und signalisiert: Das kann ein tolles neues Jahr werden.

Seit Tagen denke ich schon darüber nach, ob ich diesen Blogartikel schreiben soll oder nicht.

Ein Monat voller Aha-Momente

Hinter uns liegt ein toller Monat auf der Insel. Voller Überraschungen und Erkenntnisse, und genau das ist es, warum wir das Reisen so lieben. Man sollte immer erst über etwas urteilen, wenn man es selbst gesehen oder erlebt hat.

Als wir an Mauritius gedacht haben, hatten wir sofort diese Fototapete im Kopf, die bei meinen Eltern in den 90ern im Keller über die ganze Wand tapeziert war. Klares Wasser, eine Palme, die sich wie eine schiefe Laterne über den hellen Sandstrand lehnt, auf der anderen Seite das kristallklare blaue Wasser. Alles ruft nach Sehnsucht und dem ultimativen Paradies. Mauritius eben.

Menschenvielfalt, die funktioniert

Bereits an Tag 2 war klar: Wir sind völlig geflasht von den Menschen hier, und das wird sich bis zur Abreise nicht mehr ändern. Unser erster Eindruck: Hier leben Menschen von vier Kontinenten und mindestens genauso vielen Religionen zusammen. Und man bekommt sofort das Gefühl: Das funktioniert. Es klingt fast lächerlich, zu fragen, warum auch nicht.

Mauritius ist ein Einwanderungsland. Erst die Besatzung durch die Franzosen, dann durch die Briten und seit 1968 ist das Land unabhängig. Während anderswo die neue Kolonialmacht vieles abgerissen oder ersetzt hat, wurde hier kurzerhand das Beste aus beiden Welten beibehalten. So spricht man heute fließend Englisch und Französisch, sehr zum Leidwesen von San, die gehofft hatte, ihr Schulfranzösisch wieder auf Vordermann bringen zu können.

Als wir an einem Hindutempel vorbeikommen, stoßen wir auf ein Schild, das es nicht besser auf den Punkt bringen könnte: „One island, many peoples, all Mauritians.“

Das große Experiment: Von der Sklaverei zur Vielfalt

Und es passt auch perfekt ins Bild, dass die Briten 1834 genau hier ein gesellschaftliches Experiment gestartet haben. Ziel war es, die Sklaverei abzuschaffen und stattdessen durch gezielte Zuwanderung, vor allem aus Indien, China, Afrika und Europa, Arbeitskräfte zu gewinnen. Nach einem holprigen Start gelang es, und Mauritius wurde zu einem Modellfall für das britische Empire. Die Insel war eine der ersten britischen Kolonien, in der die Abschaffung der Sklaverei umgesetzt wurde und anschließend durch die Franzosen und Portugiesen übernommen wurde. Diese Geschichte kann man heute unter anderem im Blue Penny Museum in Port Louis nachvollziehen.

Ansonsten reiht sich Port Louis bei uns eher in die Liste der Städte ein, die man nicht unbedingt gesehen haben muss.

Zurück zur Fototapete

Ja, es gibt sie. Diese Orte mit den perfekten Stränden, genau wie auf den Postkarten. Was wir allerdings gelernt haben: Es ist einfacher, 1.000  Euro pro Nacht in einem dieser traumhaften Strandresorts zu bezahlen als etwas Charmantes für 1.000  Euro für einen Monat zu finden.

Was schnell auffällt: Der Tourismus ist stark konzentriert auf Orte wie Flic en Flac, Tamarin oder Grand Baie. Trotzdem würden wir sagen: Gerade in Flic en Flac, wo wir wohnten, ist man vom Massentourismus noch weit entfernt. Das ist auch ein Grund, warum ich lange überlegt habe, diesen Artikel zu schreiben, da wir uns sehr gut vorstellen können, dass in Zukunft Mauritius noch interessanter für Individualreisende werden kann.

Mauritius als Workation-Paradies?

Wir können uns auch sehr gut vorstellen, dass das, was wir dort gemacht machen, in Zukunft noch viel mehr Menschen anziehen wird. Alle Anzeichen sprechen dafür. Mauritius ist perfekt für alle, die auf der Suche nach einem Workation-Ort sind. Der Sommer hier liegt im deutschen Winter, die Zeitzone ist mit +3 Stunden zu Deutschland angenehm, die Infrastruktur ist gut bis sehr gut, es gibt möblierte Apartments wie unseres, Coworking Spaces, wie u.a. The Hive und nach der Arbeit kann man einfach an den Strand oder zum CrossFit gehen, so wie wir. Am Wochenende warten Wanderungen, Canyoning (mit Yanatur), Naturparks, Wasserfälle, Kino, Tauchen oder Katamaran-Touren (mit Oceane). Mauritius bietet alles, außer Langeweile.

Mit dem Roller durch den Inselalltag

Ganz nach dem Asiaten in uns haben wir für den gesamten Zeitraum einen Roller gemietet (7 Euro/Tag beim Rollerverleih Klokan Rental und zweimal für 3 bzw. 4 Tage ein Auto (28 Euro/Tag bei Follow Me by Zubrental), um die Insel zu erkunden. Das Konzept hat für uns perfekt gepasst: unter der Woche alles in der Nähe entspannt mit dem Roller, am Wochenende und über Weihnachten mit dem Auto weiter entfernte Ecken entdecken. So wie den Norden mit der Grand Baie und die Berge von Chamarel, wo wir eine Nacht in den wunderschönen Chamarel Mountain Chalets verbracht haben.

Es gehört euch, behandelt es auch so

Die erste Tour brachte uns zu den indischen Bergtempeln, Teeplantagen und den umliegenden Wasserfällen. Auf dem Rückweg entlang der Küste stoppten wir beim bekannten Le Morne, wo es, zumindest aus der Luft, aussieht, als gäbe es vorgelagert einen Wasserfall im Meer. Was uns auf dem Rückweg auffiel: Der Strand gehört hier tatsächlich den Bürgern. Und das steht nicht nur auf einem Hinweisschild, sondern wird auch gelebt. Ganze Familien reisen mit gemieteten Bussen oder dem eigenen Autos an, bringen Tische, Zelte, Grills und alles für ein Picknick mit und verbringen den Sonntag direkt am Wasser. Es wirkt fast ein bisschen wie ein Festival, nur viel entspannter. Und das Beste: Der Müll wird mitgenommen. Selbst an Silvester lagen keine Reste herum, sondern alles war ordentlich gepackt und neben den Mülleimern abgestellt. Man hat generell das Gefühl, dass hier nicht nur Herkunft und Religion gegenseitig respektiert werden, sondern auch die Insel mit aller Flora und Fauna.

Tamarin oder Flic en Flac?

In unserem Apartment im The Grove, in der Nähe der Cascavelle Shopping Mall, haben wir uns vom ersten Tag an pudelwohl gefühlt. Am liebsten würden wir gar nicht mehr ausziehen. The Grove ist ein sich entwickelndes Riesenareal, das nach Fertigstellung wohl Unterkünfte für mehrere Zehntausend Menschen bietet, inklusive Krankenhaus, internationaler Schule, Kindergarten und großer Sportstätte (SPARC), die bereits heute schon stehen. Ein Mix aus Einzelhäusern, Reihenhäusern und süßen Apartments wie unserem. Einziger Wermutstropfen: Vom Vibe her gefällt uns Tamarin mit seinen Cafés und Restaurants etwas besser. Unser Apartment liegt aber in Flic en Flac, und mit unserem Laubbläser auf zwei Reifen, also unserem etwas untermotorisierten 50cc-Roller, brauchten wir gute 20 Minuten dorthin. Tamarin hat mehr diesen laid-back Surferort-Charakter, mit einigen schönen Cafés, Restaurants und kleinen Läden.

CrossFit, Community und Geschichten

Da ich, Marco mich mich gerade auf meinen ersten CrossFit-Wettkampf vorbereite, besuchten wir regelmäßig die Classes von CrossFit Bambous. Die Box ist nur ca. 5 Minuten von unserer Unterkunft entfernt – was natürlich perfekt ist. Ein weiterer Pluspunkt: Mit unserer Monatsmitgliedschaft können wir auch in der CrossFit Box Tamarin trainieren, die demselben Besitzer, Luca, gehört. Häufig machten wir dort Samstags das Workout und gingen anschließend im Kind Café in La Gaulette frühstücken. Dieses hatte einfach den besten Kaffee der Insel, wobei die Messlatte dafür leider nicht allzu hoch liegt.

Wir wurden bei Drop-ins in CrossFit-Boxen schon oft herzlich aufgenommen, doch hier waren wir fast irritiert, weil es so herzlich war, dass wir dachten, sie verwechseln uns. Die Community war großartig. Wir lernten tolle Menschen kennen, und mit der Zeit ihre Geschichten. Zum Beispiel Gérald, dessen französische Familie seit Generationen auf Mauritius lebt. Oder Pol, ein Spanier, gerade mal 27, der mit 21 ohne Geld und ohne Plan nach Mauritius kam. Er schlug sich von ganz unten, ohne Essen und mit Aushilfsjobs durch und hat sich inzwischen ein Unternehmen mit mehreren Mitarbeitenden aufgebaut. Und er ist dabei einer der herzlichsten Menschen, denen wir begegnet sind.

Voll verstrahlt

Praktischerweise stellte sich heraus, dass Gerald nicht nur seine Leidenschaft für CrossFit mit uns teilt, sondern auch taucht. Genau genommen gehört ihm mit den Sundivers eine Tauchbasis in Flic en Flac und er ist ein ausgezeichneter Unterwasserfotograf (zur Galerie von Gerald Rambert), der für seine Bilder um die Welt reist. Wir hatten also viele Themen zum Austauschen. Wie sich herausstellte, ist er sogar der gleiche Jahrgang wie ich.

Er erzählte uns, dass er und die meisten seiner Freunde durch die dauerhaft hohe UV-Strahlung bereits mehrere Hautkrebs-Operationen hinter sich haben. Ein Blick in unsere Wetter-App bestätigt das: Zwischen 10 und 14 Uhr liegt der UV-Index hier regelmäßig bei 13 (extrem hoch). Zum Vergleich: In Chiang Mai, unserem nächsten Ziel, liegt er zur gleichen Zeit bei 6, und in Deutschland im Hochsommer bei maximal 8.

Wo sind denn alle?

Wenn man an Mauritius denkt, denkt man neben den fototauglichen Stränden auch an bunte Fische und noch buntere Korallen. Ich konnte es mir also nicht entgehen lassen, mit Gérald und den Sundivers ein paar Tauchgänge zu machen. Das Gute: Der am weitesten entfernte Tauchspot liegt gerade mal 10 Minuten vom der Tauchbasis entfernt.

San blieb an Land, da sie noch arbeitete, während ich mich auf die Unterwasserwelt freute. Zurück kam ich mit hängendem Kopf. „Wie war’s?“ – „Nichts. Gar nichts.“ Ich war schockiert. Gerald erklärte mir, dass durch die Korallenbleiche im Jahr 2017 der Großteil der Riffe innerhalb weniger Tage abgestorben ist. Grund: Der Klimawandel und die Erwärmung des Wassers um nur 1–2 Grad.

Leider reiht sich diese Taucherfahrung in die der letzten Jahre ein und es macht mich wirklich traurig zu sehen, wie schlecht es um unsere Unterwasserwelt steht.

Fazit

Mauritius war für uns mehr als ein tropisches Postkartenmotiv. Es war ein Ort der Begegnungen, des Perspektivwechsels und der Erkenntnis, dass Vielfalt funktionieren kann, wenn man sie lässt.

Wir haben in einem Monat so viele Seiten dieser Insel erlebt: Natur, Geschichte, Sport, Alltag, Freundschaft und ja, auch Enttäuschung unter Wasser.

Vielleicht ist das das wahre Reiseparadies: ein Ort, der nicht perfekt ist, aber lebendig. Ein Ort, der überrascht und bleibt.

Wir nehmen viel mit. Vor allem die Menschen. Und das Gefühl, dass wir irgendwann zurückkommen.

Jetzt geht’s erst mal weiter auf die Nachbarinsel La Réunion und wir sind schon sehr gespannt, was uns dort erwartet, außer französisches Baguette.

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